„London, Paris, Salzburg, Mailand, Seoul“ steht ganz oben auf der Website des Galeristen Thaddaeus Ropac. Der 66-jährige Kärntner, der mit Anfang zwanzig eine winzige Galerie in Salzburg aufgesperrt hat, zählt seit vielen Jahren zu den bedeutendsten und bekanntesten Galeristen der Welt.
Ropac vertritt globale Superstars wie Anselm Kiefer, Alex Katz, Georg Baselitz oder Joan Snyder und die Nachlässe von Joseph Beuys oder Robert Rauschenberg. Aus Österreich hat er Erwin Wurm, VALIE EXPORT oder Martha Jungwirth in seinem Programm – und seit kurzem auch Florentina Holzinger, deren aktuelle Biennale-Performance weltweit gefeiert wird. Aber was tut der Mega-Galerist eigentlich? Dem SPIEGEL hat er das einmal so erklärt: „Wir verkaufen nicht einfach, wir platzieren Kunst.“
Für die Ö1-Sendung „Im Gespräch“ habe ich Thaddaeus Ropac gefragt, was das heißt, Kunst „zu platzieren“ und wie er gute von schlechter Kunst unterscheidet. Wir haben über den globalen Kunstmarkt und seine Exzesse gesprochen, über die Macht von Galeristen und über sein Bild von Österreich, wo er seit vielen Jahren nur mehr zeitweise lebt.
Die Ö1-Sendung dauert 53 Minuten – und ist hier im Transkript nachzulesen. Eine Langversion des Gesprächs von rund 100 Minuten gibt es auf ORF-Sound und überall, wo Sie Podcasts hören.
Thaddaeus Ropac, wir sitzen hier im ORF-Landestudio Salzburg. Es war nicht ganz einfach, einen Termin für dieses Gespräch zu finden, weil Sie nicht sehr häufig in Österreich sind. Wo sind Sie denn immer?
Wir haben sieben Galerien, die sich auf London, Paris und Mailand, Salzburg natürlich und Korea aufteilen. Natürlich sind unsere Künstler international tätig. Wir haben ständig Projekte zwischen Asien, Südamerika, Europa und den USA. Und das hält einen dann schon auf Trab. Dadurch ist jeder Aufenthalt dann lang genau geplant und meistens sehr kurz.
Ich habe gelesen, Sie wären 180 Tage im Jahr unterwegs. Stimmt das?
Ich denke schon. Ich denke eher mehr als das.
Das muss ja wahnsinnig anstrengend sein.
Ja, aber das ergibt sich einfach als Notwendigkeit. Wir vertreten 70 bis 80 Künstler und Nachlässe. Diese Künstler leben wirklich in der ganzen Welt, außer im arabischen Raum und in Australien vielleicht. Und sie haben auch Projekte auf der ganzen Welt. Eine bestimmte Präsenz ist dann doch notwendig … und auch gerne! Es ist zwar anstrengend, aber es ist auch spannend und aufregend, daran teilzunehmen – die Künstler nicht nur in ihren Ateliers zu sehen, sondern auch Projekte mitbegleiten zu dürfen und sie dann dort zu erleben, wo es eine Ausstellung oder ein Projekt gibt.
Es heißt immer „der Salzburger Galerist Thaddaeus Ropac“ – aber Sie leben gar nicht wirklich in Salzburg, oder?
Nein, leider schon in vielen Jahren nicht mehr. Also hauptsächlich Paris, das ist so der Ausgangspunkt. Das ist auch unser Headquarter. Und in Salzburg verbringe ich natürlich den Sommer, also zumindest vier Wochen. Und Ostern und im Januar zur Mozartwoche. Aber das reduziert sich dann auf weniger als zwei Monate im Jahr, leider.
Stimmt es, dass Sie in Paris nicht „Ropatsch“ heißen, sondern „Ropak“?
„Es gibt wichtigere Dinge, als viel Geld für teure Kunst auszugeben.“ weiterlesen
Am meisten freuen wir uns aber darüber, dass mehr als 25.000 Menschen ein Buch gekauft haben, in dem sie erfahren, was eine „15a-Vereinbarung“ ist. Wir haben ja keinen Roman geschrieben und kein Kochbuch, Kabarettisten oder Sportlegenden sind wir auch nicht, sondern wir versuchen, auf 183 Seiten das politische System Österreichs zu erklären. Das aber tatsächlich niederschwellig und möglichst nicht fad.
