Engin Çatik ist Lehrer, Schuldirektor, gerade 40 geworden und er wird in deutschen Medien „Schul-Retter“ genannt.
Anfang letzten Jahres hat er in Berlin die Friedrich-Bergius-Schule übernommen, die 2024 als „schlimmste Schule Deutschlands“ und als „Schule der Schande“ berüchtigt war. Der Lehrkörper hatte einen siebenseitigen „Brandbrief“ veröffentlicht, in dem von „bedrohlicher Gewaltbereitschaft“ der gut 400 Schüler und Schülerinnen die Rede war, von „verbalen Übergriffen“ und „asozialem Unterrichtsverhalten“. Der benachbarte Supermarkt hatte einen Wachdienst engagiert, ein Drittel der Lehrerschaft war regelmäßig krank geschrieben.
Nach den Schlagzeilen um den Brief wurde die Schulleiterin abgesetzt und Engin Çatik geholt. Der hatte zuvor sechs Jahre lang eine andere Berliner „Problemschule“ saniert. Mittlerweile führt er seit fünfzehn Monaten die Bergius-Schule „mit Konsequenz, Vertrauen und zugewandter Autorität“, wie er selber sagt – und sein Erfolg sorgt in ganz Deutschland für Aufmerksamkeit.
Das Milieu und die Probleme seiner Schüler und Schülerinnen kennt der türkischstämmige Schuldirektor aus seiner eigenen Biografie – als eines von vier Kindern einer alleinerziehenden Mutter und eines Vaters, der viele Jahre im Gefängnis saß.
Ich hatte in den Weihnachtsfeiertagen ein Interview (€) mit ihm gelesen und mir sofort gedacht, mit Engin Çatik muss ich für Ö1 ausführlich reden. Letzte Woche war ich dann in Berlin. Zwei Tage zuvor wurde völlig überraschend bekannt, dass der Schulleiter die Bergius-Schule im Sommer schon wieder verlassen wird, um in die Berliner Schulverwaltung zu wechseln. Dort könne er „noch mehr bewirken“, sagt er. An der Bergius-Schule sei „die Krise vorbei“.
Mein Gespräch mit Engin Çatik für Ö1 kann man hier nachhören (54.51 min) – und hier lesen (Foto: Jens Gyarmaty – mit freundlicher Genehmigung):
Herr Çatık, wir sitzen hier beim Deutschlandfunk in Berlin-Schöneberg. Ihre Schule ist nur ein paar Gehminuten von hier entfernt, in Friedenau, einem bürgerlichen, sehr grünen Bezirk mit schönen Bürgerhäusern und Villen aus dem späten 19. Jahrhundert. Und Ihre Friedrich-Bergius-Schule neben einem Park sieht fast aus wie ein Schloss. Eine Problemschule stellt man sich gemeinhin ja etwas anders vor. Was war so schlimm dort, dass die Bergius-Schule im Herbst 2024 die angeblich schlimmste Schule Deutschlands war?

Ja, Sie haben recht. Der Sozialraum ist sehr schick. Friedenau ist ein sehr charmanter Ort hier in Berlin. Die Herausforderungen, die uns aber hier gegenüberstehen, sind tatsächlich sehr vielfältig und wurden in einem Brandbrief verschriftlicht. Da war unter anderem die Gewaltbereitschaft der Jugendlichen erwähnt, die fehlenden Sprachkenntnisse, in der Regel schwer erreichbare Eltern und Familien, tatsächlich auch die sehr große Diversität und die fehlende Lernbereitschaft der Jugendlichen. Und an manchen Stellen stand auch, dass die Lehrkräfte Angst davor hatten, eine Aufsicht auf dem Schulhof zu übernehmen oder diese Jugendlichen zu unterrichten.

Ich fand